Wieder süchtig nach Mee(h)r!

Sie hat uns wieder voll im Griff. Die Sucht der Freiheit unter Segel. Nirgends ist sie so greifbar und vollkommen wie auf dem Wasser, dem Meer. Dem Ozean. Die Lethargie ist verfolgen. Glücklich und zufrieden verlassen wir Nubia, dabei blicken wir mit einem breiten Grinsen im Gesicht zurück auf eine Woche Oster Roulette. Eine Woche?! Wie so immer fühlt es sich an wie eine halbe Ewigkeit:

Da liegt sie. Friedlich und sanft schwimmt die rüstige Dame im Stadthafen von Ueckermünde. Aufbruchstimmung liegt in der Luft. Die ersten Crews machen sich für den Saisonstart bereit, reges Treiben an den Liegeplätzen, die Boote werden zu Wasser gelassen. Es steckt sofort an. Wir können es ebenfalls kaum erwarten und proviantieren auf. Wohin die Reise geht? Wie lange wir die Schoten fieren? Kein Plan!

Am nächsten Tag gegen Mittag sind wir startklar. Fock angeschlagen, Leinen los! Huch. Das ging schnell. Ein so eigenartiges wie auch befriedigendes Gefühl. Schon liegt die Ansteuerungstonne hinter uns, die Sonne zeichnet innerhalb weniger Stunden ein krebsrotes Gesicht und wir sind frei wie der Vogel. Der Wind weht raumschots, unter Fock lassen wir uns gen Westen treiben und laufen gute 4 – 5kt. Herrlich! Wir verbringen die Nacht im einsamen Wasserwanderrastplatz. Strom und Wasser abgestellt. Kein Problem. Die Dieselheizung heizt ordentlich ein, sorgt für ein perfektes Bordklima und der Wassertank reicht bis zur Marina da Horta!

Mit drei anderen Booten passieren wir am nächsten Tag die Zecheriner Brücke. Anders wie bei Überholvorgängen auf der Autobahn, wird die Gelegenheit immer für ein Klönschnack über die Reling genutzt. Alle sind bei bester Laune, oft Einhand unterwegs. Gerade die frühen Vögel sind oft kauziger Natur. Sehr sympathisch. Komplett unter Fock und Groß können wir den „Bullen“ – wie es hier heißt – passieren. Vorbei an Rankwitz (ACHTUNG Großbaustelle), Lassan. Das Achterwasser liegt nun an Steuerbord, der Weiße Berg leuchtet im ersten echten Frühlingslicht.

Weiter geht’s. Wir passieren Ziemitz und vor Wolgast tummelt sich wieder die Flottille zur Brückenöffnung. Punktlandung! Hätte es nicht gepasst, wären wir im Stadthafen geblieben. Wofür den Motor starten, wenn man kein Ziel verfolgt? Die Boote ziehen an uns vorbei, weiter Richtung Norden. Gute Reise! Wir lassen den Anker am Abend in unserer Lieblingsbucht in der oberen Peene fallen. Spiegelglattes Wasser vor, neben und hinter uns. Der Mächtige Mond steigt am Horizont auf. Ostern naht. Den Zusammenhang kennt ihr hoffentlich! 😉

Was ein Törn! Zwischen „Anker auf“ und „Leinen fest“ liegen gute 45 Minuten. Das soll mal einer nachmachen. Im noch einsamen Hafen von Karlshagen werden wir schon erwartet. Bereits beim Einlaufen ruft der Hafenmeister „Willkommen Jungs!“. An den Stegen wird das Wasser aufgedreht. Saisoneröffnung! Immer wieder gerne hier zur Gast. Wir bleiben für Strandbesuch und Erkundung einer der geschichtsträchtigen Orte dieses Landes. Demütig stehen wir in mitten der Produktionsstätte der V2. Historisches Vermächtnis von Braun. Einen Tag wettern wir ab. Heute weht es 6-7bft aus Nord Nord Ost. Die Ostsee ist aufgewühlt. Perfekt für einen Strandtag.

Ostern steht vor der Tür. Die Kaltfront hat uns überrollt und rückseitige Wetterlage sorgt für glasklaren Himmel. Temperatursturz! Der Wind weht eiskalt um die Nase. Egal. Das Wasser strahlt dabei magisch blau. Zur Brückenöffnung begegnet man bekannte Gesichter, u.a. der „Romantik“. TOP gepflegt und frisch aus dem Winterlager läuft sie längsseits mit uns. www.zeesenboot.de Später begegnen wir wie so oft der „Weissen Düne“ unter dem Kommando von „Cpt Jane“. www.weisse-duene.com Ebenfalls strahlt sie Selbstbewusst bereits in der Ferne.

Wir kreuzen die Krumminer Wiek hoch. Im Sommer meiden wir den idyllischen Hafen gerne. Gibt es hier doch ausgezeichneten Ankergrund und Strände für einen Grillabend. Wie überall liegen derzeit noch keine Hafentonnen aus. Die Untiefen in der Gegend kennt man auch noch dieses Jahr und wir finden gleich einen tollen Gaststeiger. Ahoi Krummin!

Es ist Ostern! Wie mögen wohl die Seebäder an der Ostflanke aussehen? Wir haben eine wage Vorstellung. Hier ist es friedlich. Nach einigen dicken Eiern verlassen wir den Liegeplatz und setzen die Genua. Achterlich treibt uns der Wind aus dem Hafen. Wir surfen auf den Wellen und geraten wieder schnell in Trance. Ihr wisst ja wie süchtig es macht. Wir verstehen immer wieder gut, wieso sich Weltumsegler wie Wilfried Erdmann oder Bernard Moitessier über Wochen in einem Ausnahmezustand befunden haben und diesen als „Unerklärlich“ beschreiben. Die wohl beste Droge der Welt.

„Back where we started“! Den letzten Abend verbringen wir wieder im Wasserwanderrastplatz vor der Tür. Der Sonnenuntergang zaubert unwirkliche Farben an den Horizont. Über uns A380, A350, B777, USAF, NATO Jets Richtung Baltikum und Krieg…. die ganze Welt scheint über der Ostsee zu Hause. Flugverbotszonen über Russland und der Ukraine sorgen für viele weiße Streifen über uns. Dazu gesellen sich der Osterrückreiseverkehr, NATO Jets. Hier unten ist es friedlich. Uns wird bewusst, dass es nicht weit von uns ganz anders aussieht. Wieso machen wir uns die Welt nur „so klein“?! Schade.

Unser Heimathafen liegt keine 2h entfernt. Die nächste längere Auszeit auf der Nubia diese Saison ungewiss. Immer später wird der Tag. Wir können einfach nicht loslassen. Aber hej. Kein Grund zur Trauer. So steigt die Vorfreude eben noch mehr auf den nächsten Törn. Außerdem warten zu Hause ja auch der dichte Wald, unzähligen Seen und die Paddel vom Kajak. Eins ist sicher: Die Wochenenden an Bord! Und schon werfen wir die Leinen los. Ab nach Hause! Und wie! Gute 20kt aus NO lassen uns förmlich über das Haff fliegen. 6,2kt gen Süden. Geil! Unter Groß lassen wir uns in den Hafen treiben. Besser kann der Abschluss nicht sein. Wieder zu Hause. So schön.

Bis bald und fair winds an alle.

Published: 20. April 2022
Author: Tobi
Position: Stettiner Haff, Usedom
Category: Törn

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