Heißer Ritt nach Helsingør

Aber immer schön der Reihe nach:

Noch liegen wir in der Dockan-Marina in Malmö, dabei geht es uns gut. Eine tolle Stadt vor der Nase, wir sind umgeben von freundlichen Menschen, Versorgungsmöglichkeiten sind bequem zu Fuß erreichbar. Wieso eigentlich weiter?

Am Morgen liegen wir noch schlaftrunken im Bett. Aus der Achterkoje ruft der Skipper: „Verdammt still, es weht kein Lüftchen, bleiben wir hier“? Zurück aus der Vorpiek: „Ja, why not. Keine Lust auf Motorfahrt“. Die Sache scheint klar. Doch dann, keine 30min später Aufbruchstimmung. Entweder jetzt oder nie! Wir werden zunehmend sesshafter.

Byebye, Malmö!

Der Italiener brummt und wir können schnell hinter der Ausfahrt schon die Segel setzen. Die Skyline von Malmö achtern aus, Nubia macht gute 4,5 – 5kt Fahrt, halber Wind. Dann, eine Finne querab. Schweinswale!! Endlich! Sie begleiten uns, spielen im Heckwasser. Affengeil!

Der Smutje und Wetterfrosch riecht immer mehr die Labilität in der Luft. Am Horizont türmen sich auf der dänischen Seite mit der Zeit kompakte CB’s auf und bilden langsam Cluster. Noch liegen wir entspannt an Deck, beobachten die Wolkenformationen direkt vor und über uns. Wow! Wir könnten tagelang nur zusehen, wie der Blumenkohl seine Form verändert. Langsam nimmt der Wind stetig zu, der Øresund baut schnell Welle auf. Dann entdecken wir die ersten Durchbrüche der CB’s Basis und Eisflanken, das heißt: Die haben Potenzial!

Wie aus dem nichts verbinden sich die beiden Systeme, es blitzt und donnert, keine Forecast hat heute Gewitter und so giftige Scheuerböen vorhergesagt. Vor allem nicht in dem Ausmaß. Die Wellen kommen raumschots, schaukeln uns ordentlich durch. Wir bergen das Groß, noch immer laufen wir über 6kt vor dem Wind, nur mit der Fock.

Schnell liegt Ven, eine schwedische Insel im Øresund zwischen Seeland und Schonen querab. Sie liegt etwa 2,5 sm vor der schwedischen Küste nordwestlich von Landskrona. Wir beobachten zwei Crews die dem Regen nicht vertrauen und Kurs auf Kyrkbackens Hamn nehmen. Der denkbar schlechteste Anlaufpunkt bei SW Wetterlage!

Wir ahnen nichts Gutes. Der Schwell steht im Hafen, an der Mole brechen die Wellen. Wir können nur tatenlos zusehen, wie ein kleineres Segelboot die Hafenzufahrt in dem die Welle steht nicht erreicht, der Außenborder hat nicht Genug kraft gegen die Wellen anzukommen. Der Bug geht mehrfach bei den Versuchen den Hafen zu erreichen durch den Wind, sie treiben schließlich auf das Flach ab und laufen auf.

In dem Fall klingt es schlimmer als es ist, der Grund ist weich und wir erfahren später, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Keine Stunde später war die „Luft“ sprichwörtlich raus und die Crew wurde in den Hafen geschleppt.

Wieso bleibt man eigentlich in so einer Situation nicht einfach draußen, wo es sicher ist? Vor dem Wind läuft es sich doch hervorragend. Egal ob da nun Wasser aus den Wolken fällt oder nicht. Gewitter und Schauerböen können durchaus unangenehm sein, ziehen aber schnell durch. Zudem hat Ven zwei weitere Häfen, die bei S/SW Wetterlage sicher anzulaufen sind. Als wir Blick auf die Nordspitze der Insel haben, sehen wir dort sogar Schiffe sicher vor Anker liegen.

Gleiches ist uns schon bei Starkwind in Klintholm einige Tage zuvor aufgefallen, wo der gesamte Boxensteiger versucht hat, zwei Anlegemanöver zu sichern. Ebenfalls auflandiger Wind, starker Schwell in der Einfahrt. Die Boxen lagen zudem quer im Wind, die Manöver zum Teil gefährlich, da hält keine Hand mehr die Festmacher! Danach hat eine Crew das Boot fluchtartig sofort verlassen und ist abgereist. Oft wird der vermeintlich „sichere Hafen“ überschätzt.

Zurück im Øresund:

Im weiteren Verlauf sichten wir die Kronborg, eine so schöne Landmarke kurz vor der Einfahrt in den Hafen von Helsingør. Gegenüber liegt das schwedische Helsingborg, reger Fährverkehr in der Rinne. Auch hier wieder Schweinswale! Gegen die Sonne ist die Einfahrt schwer auszumachen, wir müssen uns davor noch von einem Flach freihalten und gefühlt erst einmal vorbeifahren. Auf dem Plotter sieht alles gut aus, auch die Satellitenbilder vom Hafen helfen bei der Aufklärung.

Die Kronborg kommt in Sicht.

Im Helsingør Havn (mit über 900 Liegeplätze) ist einfach kein Platz mehr zu ergattern! Teilweise sind die Boxen schmaler, als wir breit sind. Und wir wollen uns mit 3 Metern Breite für heutige Verhältnisse schon als durchaus ziemlich schlank bezeichnen!

Wir machen schließlich längsseits an einer deutschen Crew fest, fragen kurz höflich, ob Stahl an der Flanke akzeptiert wird. „Na klar Jungs, kommt ran“. Gesagt, getan. Kaum darauf schläft der Wind gänzlich ein, noch klingeln die Ohren etwas von der Überfahrt. Aber alles kein Hexenwerk. Nubia ist einfach vor dem Wind geflogen, wir oben drauf.

Farblich perfekt abgestimmt im Päckchen

Nun vergeht der vierte Hafentag im schönen Helsingør, das einiges zu bieten hat. Wir Blicken jeden Abend „ums Eck“, wollen eigentlich über den Kattegat und später Südwärts in die dänische Südsee. Von hier also obenrum. Doch derzeit ziehen diffuse Systeme durch, die sich a) ständig ändern und b) für viele Winddreher sorgen. Mal „Düse an“, mal „Düse aus“. Die Richtung stimmt oft auch nicht. Den goldenen Mittelweg scheint es – zumindest in den kommenden Tagen – nicht zu geben.

Tendenziell scheint der „Rückzug“ etwas besser zu sein, vielleicht doch durch den Falsterbo Kanal, Südschweden, Bornholm und zurück? Wir wissen es wirklich noch nicht. Keine Pläne, keine Ziele. Wir sind einfach angekommen.

Egal wo es ist und bleiben einfach noch etwas hier. Wandern, mal mit der Fähre rüber nach Schweden. Aber wir haften auch von Tag zu Tag mehr an, irgendwie finden wir sogar immer mehr Gefallen daran. Tja… so ist es eben. Gut oder schlecht? Wir bewerten es fast stündlich anders.

Published: 14. August 2021
Author: Tobi
Position: 56°02'48.23" N 12°41'39.73" E
Category: Törn

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